16. Januar: Fehlgeschlagene Fehleranalyse

Die „Autonome Hochschulgruppe Magdeburg“ hat auf ihrer Homepage einen offenen Brief an das BgR veröffentlicht, in dem letzteres für das eigene Scheitern der Proteste gegen den jährlichen Naziaufmarsch anlässlich der Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg verantwortlich gemacht wird. Demnach würde die von dem BgR organisierte „Meile der Demokratie“ wirkungsvollen Protest unterbinden, da „sie sich überhaupt nicht das Ziel setzt, den Naziaufmarsch zu verhindern.“1 Die räumliche Begrenzung der „Meile der Demokratie“ würde „für eine Trennung zwischen „guten“ Antifaschist_innen auf der Meile und „schlechten“ außerhalb“2 sorgen. In der Folge seien Abwertung, Verhinderung und Kriminalisierung von Aktionen außerhalb der „Meile der Demokratie“ Meile dem BgR anzulasten.

Dass Proteste mit der Intention, den Naziaufmarsch zu verhindern, nicht gelingen, kann nicht dem BgR angelastet werden. Weder spricht sich das BgR gegen solche Formen der Proteste aus, noch geht es dagegen vor. Sicher ist es nicht Ziel der „Meile der Demokratie“ den Naziaufmarsch zu verhindern, doch spricht nichts gegen ein Nebeneinander der Proteste. Der Vorwurf scheint völlig aus der Luft gegriffen; ihm fehlt jegliches Argument.

Die räumliche Begrenzung der „Meile der Demokratie“ lässt sich nicht vermeiden, schließlich ist es organisatorisch nicht zu bewerkstelligen, die gesamte Stadt als Veranstaltungsort einzubeziehen. Die Trennung von „guten“ und „schlechten“ Antifaschisten geht nicht, wie behauptet, vom BgR aus. Diese Kategorien werden von den Verfassern selbst erst aufgemacht; das BgR benutzt sie nicht. Die Proteste im Januar 2008 haben vielmehr gezeigt, dass das BgR anderen Veranstaltungen gegenüber aufgeschlossen ist. Damals hatten Vertreter des BgR sich ausdrücklich für eine antifaschistische Demonstration eingesetzt, als diese von der Polizei angegriffen wurde. Eine Trennung machen die Verfasser selbst erst auf, wenn sie glauben, dass sie die Einzigen sind, die an den Blockaden gegen den Naziaufmarsch teilnehmen.

Auf der Meile der Demokratie ist grundsätzlich jeder, der in irgendeiner Weise gegen den Naziaufmarsch protestieren will, willkommen. Die einzige Einschränkung besteht darin, dass von hier aus keine gewaltsamen Proteste ausgehen sollen. Die Verfasser des Briefes nutzen die Veranstaltung selbst als legalen, weil angemeldeten Aufenthaltsort.

Es scheint vielmehr, als würden die Verfasser des Briefes aus einer Frustration über das Nicht-Gelingen ihrer Proteste heraus schreiben. Anstatt dem BgR die Schuld hierfür in die Schuhe schieben zu wollen, sollte die Fehleranalyse bei sich selbst angesetzt werden. Seit Jahren – um genau zu sein seit 2005 – ist es nicht zu bewerkstelligen, eine große Anzahl von Menschen zu den Protesten nach Magdeburg zu bewegen. Die Gründe hierfür sind vielfach: die Aufrufe bestehen aus den immer gleichen Textbausteinen, die beliebig auswechselbar mal für eine Demo gegen Sozialabbau, mal für Hausprojekte oder eben auch für Proteste gegen Naziaufmärsche hin und her geschoben werden. Inhaltlich kommt dabei genau so wenig rum, wie es auch in den Aufrufen des BgR der Fall ist. Bei dem seit Jahren nicht abnehmenden Mangel an inhaltlicher Kompetenz, der mit dem Dräschen ideologischer Phrasen zu kompensieren versucht wird, kann man darüber schon fast froh sein. Das Mobilisierungsmaterial strotzt nur so vor Testosteron. Lieber wird mit Bengalos im Mobilisierungsvideo rumgewedelt, als sich zu bemühen, mal ein schlaues Wort auszusprechen. Wer sich im Vorfeld der Proteste schon so auf Krawall gebürstet präsentiert, brauch sich dann auch nicht wundern, wenn die Polizei am Tag X ein Auge auf ihn hat. Da bedarf es gar keines Bürgerbündnisses, das mit dem Finger auf einen zeigt. Die Organisatoren dieser als wirkungsvoll erhofften Proteste schaffen es ganz allein, sich ins Abseits zu stellen. Und anstatt das BgR für das zu kritisieren, was angemessen ist – nämlich für die Inhaltsleere, die seit Jahren die Proteste im Januar kennzeichnen –, wird es für das eigene Scheitern verantwortlich gemacht.

  1. http://ahgmd.blogsport.eu/offener-brief-ans-bgr/ [zurück]
  2. ebd. [zurück]
Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Add to favorites
  • blogmarks
  • Blogosphere News
  • Blogplay
  • blogtercimlap
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • RSS
  • Technorati
  • Tumblr
  • Twitter

9 Antworten auf “16. Januar: Fehlgeschlagene Fehleranalyse”


  1. 1 macker_innen 11. Mai 2011 um 19:10 Uhr

    ich war wenn ich ehrlich bin ziemlich überrascht das du deinen blog noch betreibst. leider hat sich, was hier gepostet nicht viel inhaltlich verbessert. es ist eher schlechter geworden. ein mix aus bahamas und bonjour tristesse. aber um auf den aktuellen beitrag zu kommen:

    als ich den die überschrift des beitrags gelesen hatte, war mir eigentlich schon klar das es um demokratiegeschwafel und sonstigen blödsinn geht. leider hatte ich recht. du versuchst hier, die menschen, die einen offenen brief veröffentlich haben um auf die situation in magdeburg und den naziaufmarsch im januar aufmerksam zu machen als dumm und selbstverliebt darzustellen.

    keine wörter die auch nur das demokratiefest für ein „bessers“ deutschland kritisieren. aber es ist ja auch klar, das man sich halt nicht mit deinen freundinnen und freunden streiten will. das du irgendwas schreibst, das die aufrufe immer die gleichen sind und somit niemand nach magdeburg kommt zeigt einmal mehr nur, wie realitätsfern du doch bist. so traurig wie es auch klingt, die „massen“ kommen doch schon lange nichtmehr weil ein aufruf gut ist, sondern eher wenn man weiß „da kann was gehen“. um eine erfolgreiche mobilisierung durchzuführen muss man heute doch eine art eventcharakter herbeiführen. aber ob es auch so klug ist, immer und immer wieder von außerhalb leute ranzukarren anstatt vor ort gute arbeit zu leisten ist eine andere frage. du wirst sowas ja aber nicht kennen und weißt halt nicht wie das ist.

    ich empfehle: bau an deinem fahrrad weiter rum. geh zur uni. geh ins cafe central aber hör einfach auf, so zu tun als hast du was mit irgendwelchen protest zu tun oder bist auch nur irgendwie was besonderes.

  2. 2 nkotb 11. Mai 2011 um 19:34 Uhr

    „leider hat sich, was hier gepostet nicht viel inhaltlich verbessert. es ist eher schlechter geworden“

    pfff, joar… danke.

    „um auf die situation in magdeburg und den naziaufmarsch im januar aufmerksam zu machen“

    wenn du den Brief gelesen hast, sollte dir klar sein, dass es darum geht, dem BgR zu sagen, was sie falsch machen.

    „keine wörter die auch nur das demokratiefest für ein „bessers“ deutschland kritisieren.“

    dann lies es nochmal.

    „aber es ist ja auch klar, das man sich halt nicht mit deinen freundinnen und freunden streiten will.“

    ich streite mich gern über sowas mit meinen Freundinnen und Freunden.

    „das die aufrufe immer die gleichen sind und somit niemand nach magdeburg kommt zeigt einmal mehr nur, wie realitätsfern du doch bist.“

    das ist ein Punkt unter anderen.

    „so traurig wie es auch klingt, die „massen“ kommen doch schon lange nichtmehr weil ein aufruf gut ist“

    nein, die massen nicht. aber es gibt Menschen, für die genau das an diesem Tag relevant ist. und für mich ist es das auch. alle anderen sind mir ehrlich gesagt ziemlich egal.

    „sondern eher wenn man weiß „da kann was gehen““

    und wie das aussieht, wissen wir beide. aber hinter schön „Kriminalisierung“ brüllen. naja…

    „um eine erfolgreiche mobilisierung durchzuführen muss man heute doch eine art eventcharakter herbeiführen.“

    richtig, aber das kann man auch mit Anspruch machen.

    „du wirst sowas ja aber nicht kennen und weißt halt nicht wie das ist.“

    dann kennst du mich nicht so gut, wie du im letzten Absatz suggerierst. und wo ich was trinken gehe, was ich in meiner Freizeit mache und welche Ausbildung ich genieße hat ja wohl wenig mit all dem zu tun. damit disqualifizierst du dich doch nur selber.

  3. 3 mh ja... 11. Mai 2011 um 19:38 Uhr

    @macker_innen und du scheinst es vollkommen zu schaffen, auf nicht ein einzigen kritikpunkt wirklich zu antworten.

    und ein mix aus bonjour tristesse und bahamas? ich bezweifle das du dir jemals diese Zeitschriften jemals zu gemüte geführt hast… außer natürlich wenn man mal von einen absolut politisch inkorekten text gehört hat, welcher ja eh im voraus ins Aus gestellt wurde.

    Ich warte eh auf den Tag an dem ein teil der radikalen Linken hand in hand mit den suffköppen die sich Links schimpfen, tagtäglich strunsenfull „oioioi“-gröhlend durch die straßen ziehen.. oh sry, den zustand haben wir ja längst erreicht.

  4. 4 Idep 11. Mai 2011 um 23:50 Uhr

    „bau an deinem fahrrad weiter rum. geh zur uni. geh ins cafe central“

    hahaha. neid. neid. neid. :-D

  5. 5 nkotb 12. Mai 2011 um 8:44 Uhr

    keine Ahnung, warum mein Fahrrad jedes Mal zum Gegenstand der Beiträge gemacht wird, sobald ich Kritik äußere. das muss irgendwas Tiefgründiges sein. ich denk mal drüber nach.

  6. 6 Idep 12. Mai 2011 um 9:42 Uhr

    auch geil: „so traurig wie es auch klingt, die „massen“ kommen doch schon lange nichtmehr weil ein aufruf gut ist“

    wer seine potentiellen ansprechpartner eh für dumm hält, sollte sich auch nicht wundern, wenn sie dann nicht kommen

  7. 7 Macker_innen 16. Mai 2011 um 10:12 Uhr

    „wer seine potentiellen ansprechpartner eh für dumm hält, sollte sich auch nicht wundern, wenn sie dann nicht kommen“

    da sieht man einmal mehr, wie realitätsfern du doch bist. ein guter aufruf für ein ajz in zwickau zieht 150 menschen wie man am samstag sah. ein schlechter aufruf für die flora in hamburg zieht über 6000 menschen die bundesweit anreisen. noch fragen klugscheißer?

  8. 8 Idep 16. Mai 2011 um 15:03 Uhr

    1. du vergleichst äpfel mit birnen. diese zwei mobilisierungen zu vergleichen macht wenig sinn.

    2. auch in ostdeutsche provinzregionen kann man viele menschen mobilisieren. ein guter aufruf ist ein wichtiger punkt, doch es spielen auch andere sachen eine rollen. mir ging es aber ganz grundsätzlich um die fehlende wertschätzung gegenüber den potentiellen ansprechpartnern, die du hier an den tag legst.

  9. 9 Macker_innen 16. Mai 2011 um 20:35 Uhr

    wenn sollte einen unterschied machen, ob man gegen einen naziaufmarsch aufruft oder zu einer demo. ist eine demo nicht in einem gebiet, in dem es danach „knallen“ kann oder man nicht mit naziangriffen rechnet bleibt die teilnehmerzahl oft sehr weit unten. ist der aufruf dann auch noch schlecht, kann man sich meist freuen wenn 200 personen vor ort sind.

    geht es um einen naziaufmarsch, der jedes jahr stattfindet wie in magdeburg interesiert niemanden mehr wer da trauert und wie und was. siehe dresden: jahrelang gab es mehrseitige aufrufe und es waren immer die gleichen 600-900 personen vor ort. kaum kriegt man mit, es könnte „knallen“ und schon bist du bei einer teilnehmerzahl angekommen von der man sonst nur träumen kann.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.

Abonnement

Abonniere meine RSS-Feeds