Stadtfeld Gangster-Rap

„Rechtsrock ist mehr als nur schlechte Musik“ hieß es mal auf einem Aufkleber des NDC. Stadtfelder Gangster-Rap ist es definitiv auch. es ist schon eigenartig, dass das heftigste Gedisse ausgerechnet von solchen Leuten kommt, deren Songs man kaum länger als 5 Sekunden hören kann, ohne ernsthafte Folgeschäden befürchten zu müssen. dennoch lehnt sich der junge Mann in dem Song weit aus dem Fenster und stellt dabei nicht nur das Nicht-Vorhandensein seines Taktgefühls, sondern auch seiner, im HipHop nicht gerade nebensächlichen, Wortakrobatik zur Schau. wenn Goethe das hören würde… feste Bestandteile des wahrscheinlich kleinsten Wortschatzes der Welt, in dessen Plattitüden sich im Übrigen auch das Video mit Schlagring und verpixelter Splatter-Texture wunderbar einfügt, sind natürlich „Fotzen“ und „Lutscher“ – wie sich das für einen ordentlichen Gangster gehört. fortwährend wird auch der Bezug der Gangster-Rapper, bzw. ihre Zugehörigkeit zur „Antifa“ hergestellt und man braucht nicht lang überlegen, wer damit gemeint ist. aber Sexismus und Homophobie gibt’s ja in der Magdeburger Antiimp-Szene nicht. das ist halt HipHop, die meinen das nicht so.

der Song ist ein Diss an Wackbeat, einem HipHop-Trio aus Magdeburg Buckau, das nach eigener Aussage kein Bock auf Gangster-Rap und eingebildeter Ghetto-Atmosphäre hat. mit der Feststellung, in Magdeburg gäbe es gar kein Ghetto, macht sich das Trio zwangsläufig bei der Stadtfeld-Gang unbeliebt. ohne Ghetto kann man nämlich kein Gangster sein. und so greifen Wackbeat eben jene Identität an, auf die man in SFO so stolz ist. wo zwischen massig sanierten Altbauten, einer der teuersten Straßen Magdeburgs, zahlreichen teuren Restaurants und Kneipen das Ghetto liegen soll, wird selbst dem aufmerksamen Kiezinspekteur wohl immer verschlossen bleiben. tatsächlich ist das Ghetto-Gehabe der SFO-Gang lediglich eine Projektion, ein Wunschdenken, das sich aus der Verbindung von Lokalpatriotismus und unkontrollierten Gewaltphantasien speist. da beides in der Linken eher uncool ist, bedarf es zur Legitimation auf der einen Seite der Behauptung, dass ein bestimmtes Viertel auf besondere Weise geschützt werden müsse, auf der anderen jener Personen und Zustände, die diesen Raum oder dessen Menschen bedrohen oder ihnen zumindest feindlich gegenüber stehen. das Ergebnis sind pubertierende Mitt-Zwanziger, die sich in einem der teuersten und hinsichtlich der Lebensqualität hochwertigsten Stadtteile Magdeburgs die Bronx herbeihalluzinieren.

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5 Antworten auf “Stadtfeld Gangster-Rap”


  1. 1 egal 12. September 2009 um 8:32 Uhr

    haha, du witzbold. deiner meinung nach soll doch auch ein bestimmtes „viertel“ bes. geschützt werden.

  2. 2 haetze 12. September 2009 um 11:29 Uhr

    das eine wappen in dem viedo mit „stadtfeld ost“ in guter alt-deutscher frakturschrift erinnert mich schon an „festungsstadt“-grafiken der nazis. denn anscheinend dienen auch dom und die 1933 umbenannte adolf-hitler brücke als identifikationsmerkmal der stadtfelder wehrsporttruppe.

  3. 3 nkotb 12. September 2009 um 11:39 Uhr

    @egal: auch wenn ich das nicht weiter erläutere, weil ich es grad vorziehe mich schlapp zu lachen: meinst du nicht, der Vergleich zwischen Stadtfeld und Israel hinkt ein wenig?

  4. 4 Matze 23. September 2009 um 20:43 Uhr

    Och ne, Stadtfeld macht jetzt auch Rap.(und soo schlecht)

    Also ich muss ja mal sagen, kenne beide Crews nicht persönlich, musste auch erst gucken was die Wackbeat-Crew für Musik macht. Muss aber sagen das Video ist sau schlecht und der Rap erst recht. Dagegen klinkt ja die Wackbeat Musik wie ein Chorgesang in den Ohren.

    Resultat:
    Sehr schlechter Diss!

    Meine Meinung:
    Die Leute wollen gegen nazis sein und profilieren sich gegen andere Rapcrews wie Nazis gegen die Punks. Alles mies in Szene gesetzt.

    By der Matze

  1. 1 Stadtfeld Crime! « Technoparty ist geil, Arbeit nicht! Pingback am 01. Oktober 2009 um 23:00 Uhr
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